<?xml version="1.0" encoding="utf-8" standalone="yes"?><rss version="2.0" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"><channel><title>Sovereign-Tech-Fund on Dr. Christian Knebel</title><link>https://dr-christian-knebel.de/tags/sovereign-tech-fund/</link><description>Recent content in Sovereign-Tech-Fund on Dr. Christian Knebel</description><generator>Hugo -- gohugo.io</generator><language>de-de</language><lastBuildDate>Thu, 31 Oct 2024 20:00:00 +0100</lastBuildDate><atom:link href="https://dr-christian-knebel.de/tags/sovereign-tech-fund/index.xml" rel="self" type="application/rss+xml"/><item><title>openDesk ist live. Der Sovereign Tech Fund ist Agency. – Oktober 2024 im E-Government-Rückblick.</title><link>https://dr-christian-knebel.de/posts/2024-10-monatsrueckblick/</link><pubDate>Thu, 31 Oct 2024 20:00:00 +0100</pubDate><guid>https://dr-christian-knebel.de/posts/2024-10-monatsrueckblick/</guid><description>&lt;p&gt;Vom 15. bis 17. Oktober findet die Smart Country Convention in Berlin statt. Das ZenDiS nutzt die Bühne für den
&lt;a href="https://www.digitale-verwaltung.de/SharedDocs/kurzmeldungen/Webs/DV/DE/2024/10_zendis.html"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
offiziellen Launch von openDesk 1.0
&lt;/a&gt;: die Open-Source-Office-Suite für die öffentliche Verwaltung, ab sofort als Enterprise Edition verfügbar, mit zwei Betriebsmodellen und ersten Bundesbehörden als Pilotkunden. Fast gleichzeitig wird der Sovereign Tech Fund zur Sovereign Tech Agency GmbH, einer eigenständigen Bundesgesellschaft unter SPRIND.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zwei Institutionalisierungen in einem Monat. Beide erzählen dieselbe Geschichte: Open Source in der Verwaltung wächst aus der Pilotphase heraus.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="opendesk-10-was-neu-ist-und-was-das-bedeutet"&gt;openDesk 1.0: Was neu ist und was das bedeutet&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;openDesk ist seit Oktober nicht mehr im Beta-Status.
&lt;a href="https://www.opendesk.eu/en/blog/sccon-digital-sovereignty-in-public-sector"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
Version 1.0 kommt als Enterprise Edition
&lt;/a&gt; mit zwei Betriebsmodellen: Self-Hosting, unterstützt durch den ZenDiS-Partner B1 Systems, und Software-as-a-Service auf der StackIT-Infrastruktur der Schwarz Gruppe. Das bedeutet: Behörden, die keine eigene Serverkapazität haben oder wollen, können openDesk aus einer souveränen deutschen Cloud beziehen, ohne US-Hyperscaler zu benötigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die integrierten Komponenten sind das, was man erwarten würde: Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, E-Mail, Kalender, Videokonferenz, Cloudablage, Projektmanagement. Das Besondere ist nicht die Featureliste, sondern die Integration. Souveräne Office-Suiten scheitern in der Verwaltung regelmäßig nicht an einzelnen Funktionen, sondern an der fehlenden Kohärenz. Wer zwischen fünf verschiedenen Open-Source-Tools wechseln muss, wechselt irgendwann zurück zu Microsoft 365.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;openDesk beantwortet das mit einer einheitlichen Oberfläche über alle Komponenten hinweg. Ob das in der Praxis hält, entscheidet sich nicht auf der SCCON, sondern in sechs Monaten, wenn die ersten Pilotbehörden ehrliche Rückmeldung geben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Pilotkunden sind kein Zufall.
&lt;a href="https://www.opendesk.eu/en/blog/sccon-digital-sovereignty-in-public-sector"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
BMI, Deutscher Wetterdienst, Technisches Hilfswerk und Robert-Koch-Institut
&lt;/a&gt; sind keine Kleinstbehörden. Sie haben IT-Betrieb, Nutzeranforderungen und Compliance-Vorgaben in einem Maßstab, der einem echten Belastungstest nahekommt. Scheitert openDesk dort, hat man ein Problem. Hält es dort, hat man ein Argument.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der nächste Schritt ist kein technischer, sondern ein beschaffungspolitischer: openDesk muss in Vergabeentscheidungen als Option erscheinen, nicht als Ausnahme. Das setzt voraus, dass Behörden wissen, dass es existiert. Die SCCON liefert Sichtbarkeit. Ausschreibungspraxis und Beschaffungsrichtlinien liefern Skalierung.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="was-die-sovereign-tech-agency-jetzt-kann-was-der-fund-nicht-konnte"&gt;Was die Sovereign Tech Agency jetzt kann, was der Fund nicht konnte&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Der
&lt;a href="https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2024/11/20241104-sovereign-tech-fund.html"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
Sovereign Tech Fund wird zur Sovereign Tech Agency GmbH
&lt;/a&gt;. Der Unterschied klingt verwaltungsrechtlich. Er ist strategisch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als Pilotprojekt bei SPRIND war der STF agil, aber abhängig von jährlichen Haushaltsentscheidungen. Als eigenständige GmbH kann er Verträge mehrjährig planen, Personal mit Marktgehältern ausschreiben und Partnerschaften langfristig eingehen. Das sind Voraussetzungen, ohne die Open-Source-Infrastrukturförderung nicht skaliert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
&lt;a href="https://netzpolitik.org/2024/open-source-bundestag-staerkt-sovereign-tech-fund/"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
Bis Ende 2024 hat der STF Verträge mit 60 kritischen Open-Source-Projekten geschlossen
&lt;/a&gt;, Gesamtvolumen rund 23,5 Millionen Euro. Das klingt nach viel. Verglichen mit dem, was die öffentliche Verwaltung jährlich für proprietäre Lizenzen ausgibt, ist es wenig. Die Frage ist nicht, ob die Förderung gut angelegt ist. Die Frage ist, ob die Größenordnung stimmt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Bundestag hat im Oktober 2024 zusätzlich rund vier Millionen Euro genehmigt, über den Regierungsvorschlag hinaus. Das ist ein Signal, dass der parlamentarische Rückhalt für Open-Source-Förderung vorhanden ist. Es ist kein Automatismus. Mit der Ampel, die auf ihr Ende zusteuert, ist offen, wie die nächste Regierung diese Linie hält.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;💡 Was openDesk und Sovereign Tech Agency gemeinsam zeigen: Open Source in der Verwaltung braucht keine Manifeste. Es braucht laufende Systeme und institutionelle Dauerhaftigkeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Beide Launches im Oktober sind Schritte in diese Richtung. Die Belastungsprobe kommt 2025, wenn der Haushalt neu verhandelt wird und politische Prioritäten neu gesetzt werden.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="hat-sie-das-thema-interessiert"&gt;Hat Sie das Thema interessiert?&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Wenn Sie die Themen dieses Rückblicks beschäftigen und einen Gesprächspartner suchen, der ohne Verkaufsinteresse mitdenkt: Nutzen Sie gerne das Kontaktformular.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>OZG-Deadline verpufft. Haushalt eingefroren. Was 2024 trotzdem möglich ist. – Januar 2024 im E-Government-Rückblick.</title><link>https://dr-christian-knebel.de/posts/2024-01-monatsrueckblick/</link><pubDate>Wed, 31 Jan 2024 20:00:00 +0100</pubDate><guid>https://dr-christian-knebel.de/posts/2024-01-monatsrueckblick/</guid><description>&lt;p&gt;Das neue Jahr beginnt mit einem doppelten Erbe. Zum 31. Dezember 2023 ist die OZG-Frist abgelaufen: 575 Verwaltungsleistungen sollten bis dahin vollständig digitalisiert sein.
&lt;a href="https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Gutachten/PDF/2024/Beh%C3%B6rden-Digimeter_2024.pdf"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
Das IW Köln bilanziert im Behörden-Digimeter 2024
&lt;/a&gt;: Ein Jahr nach der Frist ist noch erheblicher Nachholbedarf. Gleichzeitig hat das Bundesverfassungsgericht im November 2023 die Umwidmung von 60 Milliarden Euro für unzulässig erklärt, was den Bundeshaushalt 2024 blockiert. Digitalisierungsmittel stehen auf Warteposition.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kein guter Start. Aber auch nicht der Anfang vom Ende.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="was-die-ozg-bilanz-wirklich-zeigt"&gt;Was die OZG-Bilanz wirklich zeigt&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Die OZG-Deadline ist abgelaufen, ohne dass die politische Konsequenz eintritt, die eine Deadline normalerweise hat. Das war absehbar: Das OZG 1.0 hatte keine Sanktionsmechanismus für den Bund gegenüber den Ländern, und die Länder hatten keinen für die Kommunen. Wer Fristen ohne Konsequenz setzt, bekommt Fristen ohne Konsequenz.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Frage ist deshalb nicht, ob Deutschland die Frist verpasst hat. Sie ist, was die Bilanz konkret zeigt.
&lt;a href="https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Gutachten/PDF/2024/Beh%C3%B6rden-Digimeter_2024.pdf"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
Das IW-Behörden-Digimeter nennt erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern
&lt;/a&gt;: Einige Länder, vor allem im Norden, sind weiter als andere. Leistungen, die EfA-Nachnutzung ermöglicht haben, sind deutlich breiter ausgerollt als solche, die jedes Land einzeln entwickeln musste. Das ist kein Zufall.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was das für das OZG 2.0 bedeutet, das die Ampel gerade vorbereitet: Es muss nachholen, was das OZG 1.0 versäumt hat. Verbindlichkeit durch Rechtsanspruch, Standardisierung durch klare Kompetenzregeln, Finanzierung durch tragfähige Modelle. Alle drei Baustellen sind offen, und alle drei müssen die Länder mitziehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der pragmatische Schritt für Januar 2024: Nicht auf das OZG 2.0 warten, sondern mit dem nachnutzen, was schon ausgebaut ist. Wer heute noch keinen EfA-Dienst eingebunden hat, der in seinem Bundesland verfügbar ist, hat ein selbst verursachtes Problem.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="haushalt-auf-eis--was-das-für-digitalisierungsprojekte-bedeutet"&gt;Haushalt auf Eis – was das für Digitalisierungsprojekte bedeutet&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Das
&lt;a href="https://netzpolitik.org/2024/bundeshaushalt-2024-wenig-mittel-fuer-die-verwaltungsdigitalisierung/"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
Verfassungsgerichtsurteil vom November 2023
&lt;/a&gt; hat den Bundeshaushalt 2024 in eine Ausnahmesituation gebracht. Geplante Ausgaben für Digitalisierungsvorhaben stehen unter Vorbehalt, bis ein verfassungskonformer Haushalt verabschiedet ist. Das passiert nicht in den ersten Januarwochen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was das konkret bedeutet: Projekte, die auf Bundesmittelzusagen warten, können nicht starten. Ausschreibungen werden verschoben. Dienstleister planen konservativ. In einem Bereich, der ohnehin zu langsam läuft, ist ein Haushaltsvakuum das, was er am wenigsten braucht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was hilft: Projekte, die auf Ländermitteln oder Eigenmitteln basieren, sind von der Bundeshaushaltskrise unabhängiger. Kommunen, die Eigenfinanzierung oder Landesförderung nutzen können, haben jetzt einen relativen Vorteil. Das ist kein Argument für dauerhaft unkoordinierte Kommunaldigitalisierung. Es ist ein Argument dafür, Projekte so zu strukturieren, dass sie nicht an einem einzigen Finanzierungsstrang hängen.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="was-trotzdem-läuft-sovereign-tech-fund-mit-neuem-budget"&gt;Was trotzdem läuft: Sovereign Tech Fund mit neuem Budget&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Der
&lt;a href="https://www.sprind.org/en/actions/projects/sovereign-tech-fund"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
Sovereign Tech Fund
&lt;/a&gt; ist seit Ende 2023 als Tochter von SPRIND strukturiert und startet ins Jahr 2024 mit einem Budget von 17 Millionen Euro, mehr als im Vorjahr. Das Modell ist einfach: Der Fonds finanziert Entwickler:innen, die kritische Open-Source-Infrastruktur warten und verbessern, Komponenten, von denen die gesamte digitale Infrastruktur abhängt, die aber keine kommerziellen Sponsor:innen haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist keine glamouröse Förderlogik. Es ist eine notwendige. Wer Log4Shell im Dezember 2021 verfolgt hat, weiß, was passiert, wenn eine kritische Open-Source-Bibliothek von einer Person in ihrer Freizeit gewartet wird und dann eine Sicherheitslücke enthüllt wird, die Millionen von Systemen betrifft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;17 Millionen Euro für das gesamte Open-Source-Infrastruktur-Ökosystem Deutschlands ist wenig. Es ist mehr als Null. Und die Institutionalisierung als SPRIND-Tochter gibt dem Fonds mehr operative Stabilität als zuvor. Wer prüft, welche eigene Open-Source-Abhängigkeiten in seiner Behörde nicht aktiv gepflegt werden, hat jetzt zumindest einen Ansprechpartner für den förmlichen Weg.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;2024 wird kein einfaches Jahr für die Verwaltungsdigitalisierung. Der Haushalt ist unklar, das OZG braucht eine neue Fassung und das Bundesgerichtsurteil hat Prioritäten neu gesetzt. Was nicht geändert hat: Der Bedarf, digitale Infrastruktur auf solide Fundamente zu stellen. Das geht auch in Jahren, in denen die politischen Rahmenbedingungen schwierig sind.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="hat-sie-das-thema-interessiert"&gt;Hat Sie das Thema interessiert?&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Wenn Sie die Themen dieses Rückblicks beschäftigen und einen Gesprächspartner suchen, der ohne Verkaufsinteresse mitdenkt: Nutzen Sie gerne das Kontaktformular.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>499 zu 28. Europa stimmt für KI-Regulierung. – Juni 2023 im E-Government-Rückblick.</title><link>https://dr-christian-knebel.de/posts/2023-06-monatsrueckblick/</link><pubDate>Fri, 30 Jun 2023 20:00:00 +0200</pubDate><guid>https://dr-christian-knebel.de/posts/2023-06-monatsrueckblick/</guid><description>&lt;p&gt;Am 14. Juni stimmt das Europäische Parlament über seinen Verhandlungsstandpunkt zum AI Act ab.
&lt;a href="https://www.europarl.europa.eu/news/de/press-room/20230609IPR96212/parlament-bereit-fur-verhandlungen-uber-regeln-fur-sichere-und-transparente-ki"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
499 Ja-Stimmen, 28 Nein-Stimmen, 93 Enthaltungen
&lt;/a&gt;. Das ist kein knappes Ergebnis. Es ist ein politisches Signal mit erheblichem Nachdruck.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gleichzeitig berät der Bundestag den im Mai vom Kabinett beschlossenen OZG-Änderungsentwurf. Zwei Gesetzgebungsverfahren, zwei Ebenen, beide für die Verwaltungsdigitalisierung relevant.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="was-das-eu-parlament-zum-ai-act-beschlossen-hat"&gt;Was das EU-Parlament zum AI Act beschlossen hat&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Der Parlamentsstandpunkt ist in einem Punkt klarer als der Kommissionsvorschlag: biometrische Fernidentifizierung im öffentlichen Raum in Echtzeit soll grundsätzlich verboten sein. Ausnahmen für die Strafverfolgung, die der Rat will, lehnt das Parlament weitgehend ab.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das klingt wie ein Grundrechtsdebatte. Für Verwaltungen ist es eine Beschaffungsdebatte. Wer heute ein System kauft, das Gesichtserkennung oder automatische Verhaltensanalyse auf Basis von Kameradaten nutzt, kauft etwas, das nach AI-Act-Inkrafttreten möglicherweise angepasst werden muss oder verboten ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Liste der Hochrisiko-Anwendungen im Parlamentsstandpunkt ist lang und umfasst explizit Systeme in Sozialleistungen, Strafverfolgung, Bildung und Beschäftigung. Wer als Behörde KI in einem dieser Bereiche einsetzt, sollte sich nicht auf die Ausnahmen verlassen, die noch im Trilog verhandelt werden. Besser auf Systeme setzen, die die Anforderungen des strengeren Parlamentsstandpunkts schon heute erfüllen könnten.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="ozg-änderungsgesetz-was-der-bundestag-berät"&gt;OZG-Änderungsgesetz: Was der Bundestag berät&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Das Kabinett hat im Mai beschlossen, was der Bundestag jetzt diskutiert: Ein Gesetz, das Ende-zu-Ende-Digitalisierung als Grundprinzip verankert, Schriftformerfordernisse abbaut und die BundID zur zentralen digitalen Identität ausbaut.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der parlamentarische Prozess ist wichtig, weil er die Stellen sichtbar macht, an denen das Gesetz noch unscharf ist. Kommunalverbände haben Bedenken zur Finanzierung. Länder haben Bedenken zur Standardsetzungskompetenz des Bundes. Das sind keine Blockadereflexe, das sind legitime föderale Fragen, die Antworten brauchen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die konstruktive Frage für den Juni 2023 lautet: Welche Teile des Gesetzes sind strittig und könnten im Bundesrat scheitern? Wer das weiß, kann im Herbst keine Überraschungen erleben. Das Scheitern im Bundesrat im März 2024 wäre weniger überraschend gewesen, wenn dieser Frage früher mehr politische Energie gewidmet worden wäre.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="was-der-sovereign-tech-fund-im-frühsommer-liefert"&gt;Was der Sovereign Tech Fund im Frühsommer liefert&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Der Sovereign Tech Fund fördert 2023 kritische Open-Source-Infrastruktur mit einem Gesamtvolumen von rund 11,5 Millionen Euro. Darunter sind Projekte wie curl, die Python-Kernbibliotheken und weitere Basistechnologien, die in der gesamten öffentlichen IT-Infrastruktur verwendet werden, ohne je als Ausgabeposten aufzutauchen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Modell beweist sich: Gezielte, zeitlich begrenzte Förderung von Maintainern in Vollzeit hebt Sicherheitslücken, verbessert Dokumentation und beschleunigt Releases. Das ist kein philanthropisches Programm. Es ist eine Investition in die Sicherheit und Stabilität der gesamten digitalen Infrastruktur.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was fehlt: Skalierung. 11,5 Millionen Euro für die gesamte kritische Open-Source-Infrastruktur Deutschlands ist ein Anfang, kein ausreichendes Niveau. Die Investitionen in proprietäre Softwarelizenzen derselben Behörden, die von dieser Infrastruktur abhängen, liegen um Größenordnungen höher.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="hat-sie-das-thema-interessiert"&gt;Hat Sie das Thema interessiert?&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Wenn Sie mehr über die praktischen Konsequenzen des AI Acts für Ihre Beschaffungsstrategie wissen möchten oder Orientierung beim OZG-Umsetzungsstand in Ihrer Behörde suchen: Das Kontaktformular unten bringt Sie direkt mit mir in Kontakt.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>OZG 2.0 in der Ressortabstimmung. Der Sovereign Tech Fund zeigt, was funktioniert. – März 2023 im E-Government-Rückblick.</title><link>https://dr-christian-knebel.de/posts/2023-03-monatsrueckblick/</link><pubDate>Fri, 31 Mar 2023 20:00:00 +0200</pubDate><guid>https://dr-christian-knebel.de/posts/2023-03-monatsrueckblick/</guid><description>&lt;p&gt;Seit dem 20. Januar liegt der
&lt;a href="https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/gesetzgebungsverfahren/DE/Downloads/referentenentwuerfe/ozg-aenderungsgesetz-referentenentwurf.html"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
Referentenentwurf für das OZG-Änderungsgesetz
&lt;/a&gt; öffentlich auf dem Tisch. Die Konsultationsphase ist abgeschlossen, die Ressortabstimmung zwischen den Bundesministerien läuft. Bis zum Kabinettsbeschluss, für das Frühjahr erwartet, müssen Bundesministerien und Länder ihre Positionen konsolidieren. Zur gleichen Zeit zeigt der
&lt;a href="https://www.sovereigntechfund.de/"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
Sovereign Tech Fund
&lt;/a&gt; mit seinem wachsenden Portfolio, wie gezielte Förderung kritischer Infrastruktur konkret aussehen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Beides passiert parallel. Beides betrifft die Zukunft der deutschen Verwaltungs-IT.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="wo-der-ozg-entwurf-in-der-ressortabstimmung-klemmt"&gt;Wo der OZG-Entwurf in der Ressortabstimmung klemmt&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Die inhaltlichen Eckpfeiler des Referentenentwurfs sind bekannt. Was in der Ressortabstimmung steckt, sind die Detailfragen, die über Erfolg oder Scheitern im Bundesrat entscheiden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Finanzierungsfrage ist keine Kleinigkeit. Der Entwurf verpflichtet zur Digitalisierung, regelt aber nicht abschließend, wer diese Digitalisierung bezahlt, wenn es um kommunale Dienste geht.
&lt;a href="https://www.dstgb.de/"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
Kommunalverbände
&lt;/a&gt; haben in der Konsultation mehrfach darauf hingewiesen: Eine rechtliche Pflicht ohne finanzielle Ausstattung ist für Kommunen mit kleinen IT-Abteilungen kein Fortschritt, sondern ein Risiko.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Standardsetzungsfrage ist politisch heiß. Bundesministerien wollen einheitliche technische Standards durchsetzen können. Länder sehen das als Eingriff in ihre Verwaltungshoheit. Das Ergebnis dieser Auseinandersetzung entscheidet, ob das Gesetz im Bundesrat eine Mehrheit findet oder nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was konstruktiv helfen würde: Beide Fragen nicht als Prinzipienfragen behandeln, sondern als operative Probleme, die konkrete Kompromisse zulassen. Was muss der Bund zwingend standardisieren, damit Interoperabilität funktioniert? Was können Länder regulieren, ohne das Gesamtsystem zu blockieren? Eine Einigung auf den minimalen gemeinsamen Nenner wäre mehr wert als ein Gesetz, das alles will und im Bundesrat hängt. Der Weg ist nicht neu. Er wird nur noch nicht genommen.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="was-der-sovereign-tech-fund-anders-macht"&gt;Was der Sovereign Tech Fund anders macht&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Der
&lt;a href="https://www.sovereigntechfund.de/programs/tech-fellow/"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
Sovereign Tech Fund
&lt;/a&gt; verfolgt ein grundlegend anderes Modell als die klassische Verwaltungsdigitalisierung. Kein politisches Abstimmungsverfahren, keine föderale Auseinandersetzung über Kompetenzen. Stattdessen: direkte Förderung von Maintainern kritischer Open-Source-Infrastruktur mit klar definierten Zielen und überprüfbaren Ergebnissen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Portfolio des STF sind 2023 über 40 Projekte. Darunter Bibliotheken und Tools, die in der gesamten öffentlichen IT-Infrastruktur Deutschlands genutzt werden, curl, Python-Kernbibliotheken, OpenSSH, ohne je als Kostenposten in einem Beschaffungsplan aufzutauchen. Maintainer werden in Vollzeit finanziert, um Sicherheitslücken zu schließen, Dokumentation zu verbessern und Releases zu stabilisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Ergebnis ist nicht spektakulär. Es zeigt sich in dem, was nicht abstürzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was das Modell demonstriert: Gezielte, zeitlich begrenzte Finanzierung mit klaren Kriterien ist effizienter als breite Förderprogramme ohne Prioritäten. 11,5 Millionen Euro für die gesamte Open-Source-Infrastruktur, von der deutsche Behörden täglich abhängen, ist noch zu wenig. Aber das Modell ist richtig. Was fehlt, ist die Skalierung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Für die Verwaltungsdigitalisierung wäre die Übertragung des Modells nützlich: Welche interoperablen Basiskomponenten, die überall genutzt werden, brauchen dauerhafte Pflege statt einmaliger Beschaffung? Wer diese Liste erstellt und Maintainer direkt fördert, investiert besser als der nächste Eigenentwicklungsauftrag.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="zendis-nach-dem-ersten-quartal"&gt;ZenDiS nach dem ersten Quartal&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;
&lt;a href="https://www.zendis.de/"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
ZenDiS
&lt;/a&gt; hat seinen Betrieb im Januar aufgenommen. Das erste Quartal zeigt, was das Modell kann und wo die Arbeit beginnt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was erkennbar ist: ZenDiS setzt auf Integration bewährter Open-Source-Komponenten, nicht auf Eigenentwicklung. Nextcloud, OpenProject, Open-Xchange, Jitsi als Bausteine für einen kohärenten Verwaltungsarbeitsplatz. Das ist die richtige Entscheidung. Sie spart Zeit und vermeidet das klassische Risiko, ein Produkt zu bauen, das nur in einem Kontext funktioniert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was noch fehlt: Pilotbehörden, die früh einsteigen und konkrete Nutzungserfahrungen zurückgeben. openDesk wird durch Einsatz besser, nicht durch weitere Planungsdokumente. Welche Behörde macht den ersten Schritt? Das ist die Frage, die über die Entwicklungsgeschwindigkeit im zweiten Quartal entscheidet.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="hat-sie-das-thema-interessiert"&gt;Hat Sie das Thema interessiert?&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Wenn Sie die OZG-Ressortabstimmung für Ihre strategische Planung im Blick behalten wollen oder openDesk als Option für Ihre Behörde einschätzen möchten: Ich freue mich über eine Nachricht über das Kontaktformular unten.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Der Referentenentwurf ist da. Was aus OZG 2.0 wirklich werden kann. – Januar 2023 im E-Government-Rückblick.</title><link>https://dr-christian-knebel.de/posts/2023-01-monatsrueckblick/</link><pubDate>Tue, 31 Jan 2023 20:00:00 +0100</pubDate><guid>https://dr-christian-knebel.de/posts/2023-01-monatsrueckblick/</guid><description>&lt;p&gt;Am 20. Januar veröffentlicht das Bundesinnenministerium den
&lt;a href="https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/gesetzgebungsverfahren/DE/Downloads/referentenentwuerfe/ozg-aenderungsgesetz-referentenentwurf.html"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
Referentenentwurf für das OZG-Änderungsgesetz
&lt;/a&gt;. Zum gleichen Zeitpunkt nimmt das
&lt;a href="https://www.zendis.de/"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
Zentrum für Digitale Souveränität der öffentlichen Verwaltung, ZenDiS
&lt;/a&gt;, seinen offiziellen Betrieb auf. Zwei Institutionen, die 2023 prägen werden: eine, die den gesetzlichen Rahmen für die Verwaltungsdigitalisierung neu setzen soll, und eine, die die technische Infrastruktur für souveräne Verwaltungs-IT liefern soll.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Monat, in dem 2023 inhaltlich beginnt.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="was-der-referentenentwurf-verspricht"&gt;Was der Referentenentwurf verspricht&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Der Entwurf ist das Papier, das Verwaltungsdigitalisierungs-Fachleute seit Jahren gefordert haben: Ein Rechtsanspruch auf digitale Verwaltungsleistungen als langfristiges Ziel, nicht nur als Programm. Der Abbau von Schriftformerfordernissen, die Jahrzehnte lang als Digitalisierungsbremse fungierten. Die BundID als zentrale Identitätslösung mit Once-Only als Grundprinzip. Ende-zu-Ende-Digitalisierung als Regelanspruch, nicht als Bonus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist mehr als Symbolpolitik. Ein Rechtsanspruch ändert Anreizstrukturen. Verwaltungen, die nicht liefern, setzen sich mittelfristig dem Klagerisiko aus. Das war beim OZG 1.0 nicht der Fall.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was der Entwurf offenlässt, ist bekannt und entscheidend. Die Finanzierungsfrage: Wer bezahlt, wenn Kommunen digitalisieren müssen, die das aus eigenen Mitteln nicht schaffen? Die Standardisierungsfrage: Wer darf technische Vorgaben machen, ohne die föderale Eigenständigkeit der Länder zu beschneiden? Beide Fragen lassen sich nicht im Gesetzestext allein lösen. Sie brauchen politische Einigung, die vor dem Bundesrat stattfinden muss, nicht danach.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was jetzt zählt: Die nächsten Wochen der Konsultation werden zeigen, welche Länder und Verbände welche Einwände haben. Wer diese Einwände ernst nimmt und in der Ressortabstimmung bearbeitet, verhindert, dass der Bundesrat im Herbst zum Bremser wird.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="was-zendis-liefern-soll-und-wann"&gt;Was ZenDiS liefern soll und wann&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;ZenDiS ist im November 2022 gegründet worden, im Januar 2023 startet der operative Betrieb. Die Aufgabe:
&lt;a href="https://www.zendis.de/opendesk"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
openDesk
&lt;/a&gt; als interoperabler, souveräner Verwaltungsarbeitsplatz auf Open-Source-Basis.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Modell ist richtig. Open-Source-Komponenten orchestrieren statt proprietäre Software kaufen. Bewährte Bausteine wie Nextcloud, Open-Xchange, OpenProject und Jitsi integrieren statt neu entwickeln. Keine Herstellerabhängigkeit aufbauen, die in zehn Jahren teuer wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was das ZenDiS-Modell für 2023 braucht, ist zweierlei: Pilotbehörden, die früh einsteigen und den Produktweg mit echtem Nutzerfeedback begleiten. Und Prioritäten statt weiterer Masterplan-Anforderungen. Eine neue Organisation, die gleichzeitig Produkte liefern, Strukturen aufbauen und Stakeholder-Erwartungen managen soll, braucht Klarheit darüber, was zuerst kommt. openDesk wird besser durch Einsatz, nicht durch Dokumentenarbeit. Welche Behörde macht den ersten Piloten?&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="was-der-sovereign-tech-fund-für-2023-zeigt"&gt;Was der Sovereign Tech Fund für 2023 zeigt&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Der
&lt;a href="https://www.sovereigntechfund.de/"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
Sovereign Tech Fund
&lt;/a&gt; geht ins zweite Jahr. Das Modell: gezielte Förderung von Maintainern kritischer Open-Source-Infrastruktur, die in der öffentlichen IT genutzt wird, ohne als Posten in einem Beschaffungsplan aufzutauchen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was das erste volle Jahr des STF gezeigt hat: Das Modell funktioniert. Gezielte Vollzeitfinanzierung von Maintainern schließt Sicherheitslücken schneller, verbessert Dokumentation und stabilisiert Releases. Die 40 Projekte im STF-Portfolio sind kein Selbstzweck. Sie sind Infrastruktur, von der öffentliche IT-Systeme abhängen, ob es in Beschaffungsdokumenten steht oder nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Frage für 2023 ist nicht, ob das Modell richtig ist. Die Frage ist, wer die Skalierung anschiebt. 11,5 Millionen Euro für die gesamte kritische Open-Source-Infrastruktur Deutschlands ist ein Anfang. Ein ausreichendes Niveau ist es noch nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;OZG 2.0 und ZenDiS arbeiten an einer digitalen Infrastruktur, die auf genau dieser Basis läuft. Wer beides zusammendenkt, wer also fragt, welche Open-Source-Komponenten dauerhaft gepflegt werden müssen, damit ZenDiS und openDesk stabil bleiben, hat ein konkretes Argument für mehr STF-Budget.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="hat-sie-das-thema-interessiert"&gt;Hat Sie das Thema interessiert?&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Wenn Sie die Entwicklungen rund um OZG 2.0 oder openDesk in Ihrer strategischen Planung berücksichtigen wollen: Das Kontaktformular unten ist der direkteste Weg zu mir.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Sovereign Tech Fund gegründet. Drei Monate bis zur OZG-Frist. – September 2022 im E-Government-Rückblick.</title><link>https://dr-christian-knebel.de/posts/2022-09-monatsrueckblick/</link><pubDate>Fri, 30 Sep 2022 20:00:00 +0200</pubDate><guid>https://dr-christian-knebel.de/posts/2022-09-monatsrueckblick/</guid><description>&lt;p&gt;Das
&lt;a href="https://www.bmwk.de/"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz
&lt;/a&gt; richtet den
&lt;a href="https://www.sovereigntechfund.de/"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
Sovereign Tech Fund
&lt;/a&gt; ein. Das Modell: Direkte Förderung von Maintainern kritischer Open-Source-Infrastruktur, die in der öffentlichen und privaten IT-Landschaft genutzt wird, ohne je als Beschaffungsposition aufzutauchen. Curl. Python-Kernbibliotheken. OpenSSL. FreeBSD. Software, die überall läuft und nirgendwo im Budget steht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist ein neues Modell. Und es ist das richtige.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="was-der-sovereign-tech-fund-anders-macht"&gt;Was der Sovereign Tech Fund anders macht&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Klassische öffentliche IT-Förderung kauft Produkte oder beauftragt Entwicklung. Der
&lt;a href="https://www.sovereigntechfund.de/programs/tech-fellow/"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
STF
&lt;/a&gt; kauft weder noch. Er finanziert Menschen: Maintainer, die bestehende kritische Software pflegen, Sicherheitslücken schließen, Dokumentation verbessern, Releases stabilisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das klingt nach einem kleinen Unterschied. Es ist ein fundamentaler.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kritische Open-Source-Infrastruktur hat ein Marktversagen eingebaut. Niemand kauft curl direkt. Alle nutzen es. Maintainer, die diese Software pflegen, tun das oft nebenberuflich, ohne Vergütung, auf Grundlage von Gemeinschaftsprinzip. Das funktioniert bis zu dem Moment, in dem ein Maintainer abbricht oder eine Sicherheitslücke entdeckt wird, für die es niemanden gibt, der sie schließt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der STF setzt genau an dieser Stelle an. Gezielte Vollzeitfinanzierung von Maintainern, zeitlich begrenzt, auf Basis eines Bewerbungsverfahrens mit klaren Kriterien. Das Ergebnis ist nicht spektakulär. Es zeigt sich in dem, was nicht abstürzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was das für Verwaltungen bedeutet: Sie sind von dieser Infrastruktur abhängig, ob sie es wissen oder nicht. Jede Bundesbehörde, die Python-Anwendungen betreibt, jede Landesverwaltung, die HTTPS-Verbindungen nutzt, jede kommunale IT, die Linux-Server einsetzt, ist Nutznießerin dieser Infrastruktur. Der STF ist im Eigeninteresse der öffentlichen Hand, nicht nur im Sinne der Open-Source-Idee.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="was-das-für-die-open-source-strategie-der-bundesregierung-bedeutet"&gt;Was das für die Open-Source-Strategie der Bundesregierung bedeutet&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Der STF ergänzt die Open-Source-Beschaffungspräferenz aus dem Koalitionsvertrag um eine neue Dimension: die Pflege des Bestehenden. Bevorzugte Beschaffung erzeugt Nachfrage für neue Open-Source-Lösungen. Der STF sichert die Infrastruktur, auf der diese Lösungen laufen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Beides zusammen ist eine kohärente Open-Source-Strategie. Beides einzeln ist unvollständig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was noch fehlt: die Skalierung. Der STF startet mit einem begrenzten Budget. Die kritische Open-Source-Infrastruktur, die von der öffentlichen Hand in Deutschland genutzt wird, hat einen Pflegebedarf, der damit nicht vollständig gedeckt ist. Das Modell ist richtig. Die Budgetgröße ist ein Anfang.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der mittelfristige Schritt: eine öffentliche Inventur der kritischen Open-Source-Abhängigkeiten der Bundesverwaltung, mit daraus abgeleitetem STF-Budgetbedarf. Wer diese Inventur nicht macht, weiß nicht, wie viel er nicht investiert.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="drei-monate-bis-zur-ozg-deadline"&gt;Drei Monate bis zur OZG-Deadline&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Der 31. Dezember 2022 ist drei Monate entfernt. Was jetzt noch in Produktion gehen kann, ist begrenzt. Was realistisch nicht fertig wird, sollte jetzt offiziell in den OZG-2.0-Aufschlag wandern, damit der politische Druck nicht in Schönrechnerei endet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die OZG-Deadline war immer ein politisches Instrument, kein technisches. Ihr Wert lag nicht darin, dass sie eingehalten wird, sondern darin, dass sie Dringlichkeit schafft. Diese Dringlichkeit hat sie erfüllt, EfA-Dienste sind entstanden, Koordinationsstrukturen wurden aufgebaut. Was jetzt kommt, ist die nüchterne Bilanz: Was haben wir, was fehlt, und was braucht welches Modell für den nächsten Schritt.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="hat-sie-das-thema-interessiert"&gt;Hat Sie das Thema interessiert?&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Wenn Open-Source-Strategie oder der OZG-Endspurt für Sie gerade Priorität haben und Sie einen strukturierten Austausch suchen: Das Kontaktformular unten genügt für den ersten Schritt.&lt;/p&gt;</description></item></channel></rss>