<?xml version="1.0" encoding="utf-8" standalone="yes"?><rss version="2.0" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"><channel><title>Noots on Dr. Christian Knebel</title><link>https://dr-christian-knebel.de/tags/noots/</link><description>Recent content in Noots on Dr. Christian Knebel</description><generator>Hugo -- gohugo.io</generator><language>de-de</language><lastBuildDate>Tue, 26 May 2026 06:46:12 +0200</lastBuildDate><atom:link href="https://dr-christian-knebel.de/tags/noots/index.xml" rel="self" type="application/rss+xml"/><item><title>Registermodernisierung in Deutschland: Warum 652 Millionen Euro pro Jahr nicht reichen und wo die wirklichen Kosten lauern.</title><link>https://dr-christian-knebel.de/posts/2026-05-26-registermodernisierung-652-millionen-und-die-wirklichen-kosten/</link><pubDate>Tue, 26 May 2026 06:46:12 +0200</pubDate><guid>https://dr-christian-knebel.de/posts/2026-05-26-registermodernisierung-652-millionen-und-die-wirklichen-kosten/</guid><description>&lt;h2 id="das-worst-case-szenario-das-keines-sein-müsste"&gt;Das Worst-Case-Szenario, das keines sein müsste&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Angenommen, der deutsche Staat schließt seine Register exakt so, wie sie heute sind, an das Nationale Once-Only-Technical-System (NOOTS) an. Keine Strukturreformen. Keine Konsolidierung. Keine Cloud-Migration. Einfach nur alte Systeme mit neuer Verkabelung verbinden. Was kostet das?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Antwort steht in einer
&lt;a href="https://www.pd-g.de/ueber-uns/unternehmen/pd-veroeffentlichungen/bezahlbare-registermodernisierung"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
Studie der PD (Beratungsgesellschaft der öffentlichen Hand), die im April 2026 veröffentlicht wurde
&lt;/a&gt; und das nachrechnet: 652,5 Millionen Euro pro Jahr. Über zehn Jahre: 8,5 Milliarden Euro. Und das ist die konservative Rechnung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die realistischere Zahl lautet 11,7 Milliarden Euro in zehn Jahren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist nicht einfach ein statistisches Detail aus dem deutschen Haushalt. Das ist ein Zeichen dafür, dass das Land genug Geld für die Grundlagen hat, aber nicht die Struktur, um es richtig einzusetzen.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="worum-es-bei-den-registern-geht"&gt;Worum es bei den Registern geht&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Nehmen wir ein konkretes Beispiel. Sie ziehen um. Sie registrieren sich an Ihrer neuen Adresse. Hinter dieser einfachen Aktion passiert etwas Absurdes: Ihr Name und Ihre neue Adresse landen nicht in einem zentralen Register, das die Behörden dann alle einsehen. Sie landen in Dutzenden verschiedenen Registern gleichzeitig. Das Einwohnermeldeamt hat sein Register. Die Finanzämter haben ihre. Die Krankenkassen haben ihre. Jedes funktioniert weitgehend unabhängig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn eine Behörde Ihre Daten braucht, passiert das Verrückte: sie muss entweder die anderen Behörden fragen (das dauert) oder von Ihnen selbst verlangen, dass Sie Ihre Adresse erneut eingeben. Und es ist das genaue Gegenteil davon, wie es laut &amp;ldquo;Once-Only-Prinzip&amp;rdquo; eigentlich funktionieren sollte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die föderale Struktur Deutschlands macht das Problem größer. Jedes Bundesland betreibt seine eigenen Register oder Variationen von ihnen. Die Kommunen auch. Das Ergebnis ist ein Flickenteppich aus rund 200 verschiedenen IT-Systemen, von denen niemand genau weiß, wie viele es wirklich gibt.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="wo-die-652-millionen-euro-hingehen-und-warum-das-problem-größer-ist"&gt;Wo die 652 Millionen Euro hingehen (und warum das Problem größer ist)&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Der Jahresbetrieb dieser fragmentierten Landschaft kostet einfach Geld. Nicht, weil die Register schlecht programmiert sind, sondern weil es unglaublich aufwendig ist, viele inkompatible Systeme parallel zu betreiben, abzustimmen und zu synchronisieren. Es ist wie ein Auto mit vier verschiedenen Antrieben: jeder einzelne kostet, und die Koordination obendrein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der
&lt;a href="https://www.bundesrechnungshof.de/SharedDocs/Downloads/DE/Berichte/2025/registermodernisierung-volltext.pdf?__blob=publicationFile&amp;amp;v=2"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
Bundesrechnungshof hat im Oktober 2025 gewarnt
&lt;/a&gt;, dass eine Finanzierungslücke von über 300 Millionen Euro die geplante Modernisierung dieser alten Registerlandschaft in Frage stellt. Der Bundeshaushalt 2026 sieht 194 Millionen Euro für Register-Digitalisierung vor, das sind 69 Millionen weniger als 2025. Die Reform wird leiser finanziert, während der Bestand teurer betrieben wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist die Mathematik der Lähmung: Der Status quo kostet 652 Millionen jährlich. Die Reform kostet weniger insgesamt, aber sie kostet auch etwas, und das Geld fehlt dann in anderen Bereichen. Also passiert nichts.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="die-unbeantwortete-frage-was-kostet-wirklich-funktionierende-reform"&gt;Die unbeantwortete Frage: Was kostet wirklich funktionierende Reform?&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Die PD-Studie wirft eine Frage auf, die kaum jemand laut stellt: Wenn die Register im aktuellen Zustand 652 Millionen pro Jahr kosten, ohne dass spürbarer Mehrwert für Bürger oder Unternehmen entsteht, wie teuer wird das Ganze, wenn die Register wirklich funktionieren?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn der geplante Datenaustausch über NOOTS in den Vollbetrieb geht. Wenn die Once-Only-Initiative nicht mehr nur ein Pilot ist. Wenn tatsächlich alle sehr zahlreichen Behördenverfahren angeschlossen sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Antwort ist: Es wird nicht einfach teurer, es wird komplexer. Mehr Daten fließen. Mehr Schnittstellen-Komplexität entsteht. Mehr Prozesse werden ausgelöst. Die Betriebskosten steigen, aber auch die Integrationskomplexität.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die PD-Studie hat die Kosten im Worst-Case bei 8,5 Milliarden Euro über zehn Jahre kalkuliert. Eine Fußnote sagt jedoch: Das könnte in Wirklichkeit 11,7 Milliarden Euro kosten. Diese Zahl ist &amp;ldquo;vermutlich realistischer, jedoch weniger belastbar quantifizierbar&amp;rdquo;. Das ist eine elegante Umschreibung für: Wir wissen, dass wir unterschätzen, aber wir können es nicht genau belegen.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="wer-zahlt-die-kostenverteilung-zeigt-das-echte-problem"&gt;Wer zahlt? Die Kostenverteilung zeigt das echte Problem&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Das ist der Punkt, an dem die Mathematik des Staates crasht. Der Gros der Kosten fällt nicht bei der FITKO an (die mit einem Budget von etwa 40 Millionen Euro pro Jahr arbeitet). Die Kosten entstehen bei den registerführenden Stellen: bei Bund, Ländern und Kommunen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Pro Register rechnet die PD mit durchschnittlichen Kosten von 339.000 Euro für den Anschluss. Plus 165.000 Euro pro Jahr für den Betrieb dieses Anschlusses (als Anschlussknoten).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein konkretes Beispiel: Eine große Kommune mit 16 verschiedenen Registern muss mit Kosten in Höhe von 32 Millionen Euro in den ersten zehn Jahren rechnen. 32 Millionen Euro.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;ldquo;Das können sich die Kommunen nicht leisten&amp;rdquo;, sagt Dominik Zborek, der Projektleiter bei der PD. Und er hat recht. Deutsche Kommunen sind chronisch unterfinanziert. Ein großer Teil läuft mit roten Zahlen.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="die-technische-wirklichkeit-hinter-der-652-millionen-zahl"&gt;Die technische Wirklichkeit hinter der 652-Millionen-Zahl&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Die PD-Studie hat nur 50 der gesetzlich verpflichtend anzuschließenden Register untersucht. Insgesamt gibt es in Deutschland über 350 verschiedene Registertypen. Das System besteht aus:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;
&lt;li&gt;42.000 Vollzugsstellen (das sind Verwaltungsstellen wie Kommunen, die ein Register führen)&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;3.800 technisch unterschiedliche Register-Instanzen&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;Hunderte von verschiedenen Fachverfahrens-Herstellern&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Und die Studie sagt selbst: Sie hat die Zahl der Betriebsinstanzen und Fachverfahrens-Hersteller &amp;ldquo;systematisch unterschätzt&amp;rdquo;. Bei den Kommunen gibt es keinen zentralen Überblick. Dominik Zborek sagt es so: &amp;ldquo;Da unterschätzen wir eher, wie viele Fachverfahren es wirklich gibt.&amp;rdquo;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das bedeutet: Die 8,5 Milliarden Euro sind wahrscheinlich eine Untergrenze.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="das-politische-rätsel-warum-passiert-nichts"&gt;Das politische Rätsel: Warum passiert nichts?&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Das Problem ist nicht technisch. Es ist politisch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die föderale Struktur bedeutet, dass jedes Bundesland ein Interesse daran hat, seine IT-Autonomie zu behalten. Jeder Ministerialapparat verteidigt sein Budget. Auf Bundesebene gibt es keinen Verantwortlichen, der sagen kann: So wird es gemacht, und alle ziehen mit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Reform hier heißt nicht Strukturkosmetik. Reform bedeutet konkret:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;
&lt;li&gt;Weniger Register (nicht 200 mal der verschiedenen Instanzen, sondern vielleicht 20 zentral betrieben)&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;Klar abgegrenzte Zuständigkeiten zwischen Bund, Ländern, Kommunen&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;Ein übergreifendes Datenmodell statt Hunderte parallel laufender Systeme&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Das ist ein Machtverlust für Bundesländer und Ministerien. Das ist, warum es nicht passiert.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="drei-konkrete-wege-aus-der-kostenfalle"&gt;Drei konkrete Wege aus der Kostenfalle&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Was die PD-Studie wertvoll macht: Sie schlägt nicht nur ein Problem vor, sondern auch Lösungen. Und nicht alle sind kompliziert.&lt;/p&gt;
&lt;h3 id="1-aufgabenvollzug-neu-ordnen"&gt;1. Aufgabenvollzug neu ordnen&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Der politische Wille ist da. Die Kommunen haben sich in den
&lt;a href="https://www.staedtetag.de/publikationen/staedtetag-aktuell/2024/heft-2/dresdner-forderungen"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
Dresdener Forderungen des Deutschen Städtetags
&lt;/a&gt; für eine Neuverteilung der Aufgaben ausgesprochen. Die Ministerpräsidenten haben zuletzt
&lt;a href="https://background.tagesspiegel.de/digitalisierung-und-ki/briefing/das-ist-die-einigung"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
in ihrer föderalen Modernisierungsagenda
&lt;/a&gt; versprochen, Aufgaben zu bündeln und neu zu verteilen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Haken: Das könnte eine Verfassungsänderung erfordern. Das ist nicht unmöglich, aber es ist nicht leicht.&lt;/p&gt;
&lt;h3 id="2-cloudregister-als-konsolidierungsstrategie"&gt;2. Cloudregister als Konsolidierungsstrategie&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Der Verein GovTech Deutschland hat
&lt;a href="https://background.tagesspiegel.de/digitalisierung-und-ki/briefing/cloud-register-sind-legal-und-technisch-moeglich-kommunen-aber-ueberfordert"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
in einem Pilotprojekt gezeigt
&lt;/a&gt;, dass das funktioniert: Register lassen sich effektiv in die Cloud verlagern. Rechtlich spricht nichts dagegen. Technisch ist es machbar.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Problem: Die Kommunen sind mit der Installation der erforderlichen technischen Voraussetzungen überfordert. Hier müssten Fachleute unterstützen. Das ist eine Investition, die sich aber schnell amortisiert: Cloudregister senken die Betriebskosten deutlich.&lt;/p&gt;
&lt;h3 id="3-zentrale-verhandlung-mit-fachverfahrens-herstellern"&gt;3. Zentrale Verhandlung mit Fachverfahrens-Herstellern&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Ein dritter Vorschlag wird gerade getestet: Der IT-Planungsrat entschied auf seiner Frühjahrssitzung, zentral mit den Fachverfahrens-Herstellern zu verhandeln. Der Test läuft mit der Genossenschaft &amp;ldquo;Govdigital&amp;rdquo;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Prinzip: Wenn der Staat zentral einkauft statt 42.000 Kommunen einzeln, sinken die Preise. Die IT-Industrie kennt diesen Hebel und wird viel tun, hier nicht zu kurz zu kommen.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="was-das-für-die-deutsche-digitalisierung-bedeutet"&gt;Was das für die deutsche Digitalisierung bedeutet&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Die Register-Situation ist nicht isoliert. Sie ist das Prolog zu einem größeren Problem: Es gibt keine Entscheidungsklarheit über die Architektur des deutschen E-Government.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn nicht geklärt wird, wie die fundamentalen Datenstrukturen funktionieren sollen, wer sie besitzt, wer sie kontrolliert, wer sie bezahlt, dann laufen alle darauf aufgebauten Projekte in das gleiche Problem.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist auch, warum der Deutschland-Stack und die Deutschland-App, zwei weitere Großprojekte des BMDS, ein so hohes Risiko tragen. Sie sind Frontend-Versprechen für eine Backend-Architektur, die nicht entschieden ist.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="das-zeitfenster-schließt-sich"&gt;Das Zeitfenster schließt sich&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Die Legislaturperiode ist schon weit fortgeschritten. Wenn die Konsolidierung und echte Reform der Register nicht in den nächsten 12 bis 18 Monaten in Bewegung kommt, wird es schwierig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein neuer Bundestag. Eine neue Legislaturperiode. Neue Prioritäten. Und die Register-Reform rutscht wieder nach hinten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;652 Millionen Euro jährlich für einen kaputten Zustand ist nicht nachhaltig. Aber solange der politische Wille für echte Konsolidierung fehlt, wird genau das die Realität bleiben.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="handlungspunkte-für-entscheiderinnen"&gt;Handlungspunkte für Entscheider:innen&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Wenn Sie in einer Verwaltung, bei einer Behörde oder einem Bundesland für digitale Infrastruktur verantwortlich sind, gibt es drei konkrete Punkte, die Sie jetzt tun können:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Beschäftigen Sie sich mit der PD-Studie.&lt;/strong&gt; Sie wurde im April 2026 veröffentlicht und ist nicht akademisch, sondern sehr praktisch. Sie zeigt die echten Kosten für Ihr Register auf.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2. Prüfen Sie die Cloudregister-Option.&lt;/strong&gt; Wenn Ihr Register in den nächsten zwei Jahren modernisiert werden soll, ist Cloud nicht optional, sondern wirtschaftlich notwendig. Die GovTech Deutschland und der BSI haben das bereits validiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3. Beteiligen Sie sich an zentralen Beschaffungsverfahren.&lt;/strong&gt; Der IT-Planungsrat testet zentrale Verhandlung mit Fachverfahrens-Herstellern. Das ist der richtige Weg. Machen Sie mit, statt isoliert zu kaufen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Reform ist nicht unmöglich. Sie erfordert nur, dass jemand sagt: So wird es gemacht. Und dass die Kommunen und Bundesländer nicht mehr allein dafür zahlen.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="hat-sie-das-thema-interessiert"&gt;Hat Sie das Thema interessiert?&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Fragen zur Register-Modernisierung oder zur konkreten Umsetzung? Schreiben Sie mir.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Jeder weiß es. Keiner handelt. – E-Government im Oktober 2025.</title><link>https://dr-christian-knebel.de/posts/2025-10-monatsrueckblick/</link><pubDate>Fri, 31 Oct 2025 20:17:15 +0200</pubDate><guid>https://dr-christian-knebel.de/posts/2025-10-monatsrueckblick/</guid><description>&lt;p&gt;Oktober 2025 war ein Monat mit zwei Gesichtern. Auf der einen Seite: Bekenntnisse, Dokumente, Websites und der wachsende Verdacht, dass das Wissen über Probleme und das Handeln dagegen zwei verschiedene Dinge sind. Auf der anderen: ein legislativer Meilenstein, auf den die Verwaltungsdigitalisierung lange gewartet hat.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="deutschland-stack-wimmelbild-mit-frühwert"&gt;Deutschland-Stack: Wimmelbild mit Frühwert&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Mitte Oktober launcht das BMDS die
&lt;a href="https://deutschland-stack.gov.de/"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
neue Projekt-Website zum Deutschland-Stack
&lt;/a&gt; und startet den Konsultationsprozess. Die Reaktion in der Community ist geteilt, und ehrlich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kritik ist berechtigt. „Keine Strategie, keine technische Tiefe und fehlender Mut zur echten Veränderung&amp;quot;,
&lt;a href="https://background.tagesspiegel.de/digitalisierung-und-ki/briefing/neue-leitung-neue-website-alte-fragen"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
schreibt Thomas Bönig
&lt;/a&gt;, Leiter des Stuttgarter Amts für Digitalisierung, auf LinkedIn. Netzpolitik konstatiert, das Projekt bleibe
&lt;a href="https://netzpolitik.org/2025/deutschland-stack-open-source-vor-verschlossenen-tueren/"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
„Open Source vor verschlossenen Türen&amp;quot;
&lt;/a&gt;. Der Tagesspiegel Background beschreibt das Informationsangebot als
&lt;a href="https://background.tagesspiegel.de/digitalisierung-und-ki/briefing/neue-leitung-neue-website-alte-fragen"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
„Sammelsurium von Platzhaltern&amp;quot;
&lt;/a&gt; (Paywall). Man kann das als Scheitern lesen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;💡 Man kann es aber auch anders einordnen: Im agilen Sinne ist frühes Veröffentlichen richtig. Eine unfertige Website schafft Druck auf den Konsultationsprozess, sie lädt zur Kritik ein, und Kritik braucht das Projekt. Wer eine fertige, glattpolierte Strategie abliefert, bekommt Zustimmung. Wer früh zeigt, was noch nicht steht, bekommt Feedback. Der D-Stack braucht das zweite.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Parallel tickt die Uhr: Die H2KI-Plattform soll bis 15. November in Hamburg stehen, nach mehreren Verspätungen, mit eingekürften Funktionalitäten. Ob der Termin hält, ist ungewiss.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="jeder-weiß-es-keiner-handelt"&gt;Jeder weiß es. Keiner handelt.&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Das Bemerkenswerteste im Oktober ist nicht neu, aber es ist jetzt schwarz auf weiß dokumentiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Baden-Württembergs Innenministerium räumt gegenüber Golem ein:
&lt;a href="https://www.golem.de/news/innenministerium-baden-wuerttemberg-zugriffe-durch-drittstaaten-bei-delos-cloud-moeglich-2510-201397.html"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
Delos Cloud kann von der US-Regierung angewiesen werden, einen Datenabfluss in seine Software zu integrieren
&lt;/a&gt;. Man nutzt Delos trotzdem.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Warum das relevant ist, zeigt ein Beispiel vom 31. Oktober: Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag gibt bekannt,
&lt;a href="https://www.theregister.com/2025/10/31/international_criminal_court_ditches_office/"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
von Microsoft Office auf OpenDesk zu wechseln
&lt;/a&gt;, entwickelt von ZenDiS. Der Auslöser: Trump hatte im Februar Sanktionen gegen den ICC-Chefankläger verhängt; sein Microsoft-Konto war danach nicht mehr zugänglich. Keine Theorie, keine Risikobetrachtung. Ein konkreter Einschnitt in den laufenden Betrieb eines internationalen Gerichts.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Muster ist in Deutschland bekannt. Schleswig-Holsteins Digitalminister Dirk Schrödter nennt Abhängigkeiten von deutschen Hyperscalern wie Stackit
&lt;a href="https://background.tagesspiegel.de/digitalisierung-und-ki/briefing/hochgefaehrlich-digitalminister-schroedter-zu-stackit"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
im TSB-Interview
&lt;/a&gt; (Paywall) „hochgefährlich&amp;quot; und handelt auch: Schleswig-Holstein ist das
&lt;a href="https://osb-alliance.de/featured/open-source-strategie-schleswig-holstein"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
einzige Bundesland, das die Open-Source-Transformation konsequent umsetzt
&lt;/a&gt;, auch ohne auf openDesk zu warten. Es gibt Reibung an der Basis, eine Legacy-Anwendung blockiert noch den Linux-Arbeitsplatz. Aber es passiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dänemark, kurz:
&lt;a href="https://osb-alliance.de/featured/daenemark-goes-open-source"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
Kopenhagen und Aarhus kündigen den Abschied von Microsoft an
&lt;/a&gt;, die Digitalministerin folgt. Der Kontext ist klar: Trump und Grönland. Konkreter geopolitischer Druck erzeugt konkrete Entscheidungen. Ein eigenes Stück dazu kommt.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="noots-lieferung-nach-langer-wartezeit"&gt;NOOTS: Lieferung nach langer Wartezeit&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Am 16. Oktober verabschiedet der Bundestag das
&lt;a href="https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2025/kw42-de-noots-1114128"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
Gesetz zum NOOTS-Staatsvertrag
&lt;/a&gt;. Für die meisten ein unscheinbarer Verwaltungsakt. Für die Verwaltungsdigitalisierung: ein echter Meilenstein, auf den lange gewartet worden ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Nationale Once-Only-Technical-System schafft die rechtliche und technische Grundlage dafür, dass Behörden Daten untereinander austauschen können, einmal angegeben, nicht wieder abfragen müssen. Die praktische Bedeutung zeigen
&lt;a href="https://www.fitko.de/aktuelles/details/registermodernisierung-erreicht-meilenstein-erste-nachweisdatenabrufe-laufen-ueber-das-noots"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
zwei konkrete Testfälle
&lt;/a&gt;: In Baden-Württemberg läuft am selben Tag, an dem der Bundestag abstimmt, der
&lt;a href="https://im.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse-und-oeffentlichkeitsarbeit/pressemitteilung/pid/erster-erfolgreicher-datenabruf-ueber-das-noots"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
erste erfolgreiche Datenabruf für einen Anwohnerparkausweis
&lt;/a&gt; über das NOOTS, Fahrzeugdaten direkt vom Kraftfahrt-Bundesamt, kein Papiernachweis. In Nordrhein-Westfalen läuft der zweite Use Case: Gewerbeanmeldung via Handelsregister.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ohne den Staatsvertrag wären diese Tests nicht weitergegangen. Jetzt sind sie Realität. Das ist der Unterschied zum Wimmelbild.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="fazit"&gt;Fazit&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Oktober 2025 zeigte: Wissen reicht nicht. BaWü kennt das Delos-Risiko und zieht keine Konsequenzen. Andere, ein Bundesland, ein internationaler Gerichtshof, ein skandinavisches Nachbarland, ziehen sie. Was davon ein Vorbild ist und was eine Ausnahme bleibt, entscheidet sich nicht in Websites, sondern in Beschaffungsentscheidungen.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="hat-sie-das-thema-interessiert"&gt;Hat Sie das Thema interessiert?&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Wenn Sie gerade vor einer solchen Entscheidung stehen, welche Cloud-Abhängigkeiten in Ihrer Infrastruktur Sie tatsächlich eingegangen sind und welche Handlungsoptionen realistisch sind:&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Erst die Pressemitteilung, dann das Konzept. – September 2025 im E-Government-Rückblick.</title><link>https://dr-christian-knebel.de/posts/2025-09-monatsr%C3%BCckblick/</link><pubDate>Tue, 30 Sep 2025 20:17:15 +0200</pubDate><guid>https://dr-christian-knebel.de/posts/2025-09-monatsr%C3%BCckblick/</guid><description>&lt;p&gt;September 2025 war ein Monat voller Startschüsse. Bundesdigitalminister Wildberger schickte seine Modernisierungsagenda in die Kabinettsklausur am Tegeler See. Bayern und Hessen wurden offiziell zu Pilotländern für Verwaltungsdigitalisierung. Und die Denkfabrik Agora Digitale Transformation legte eine
&lt;a href="https://agoradigital.de/projekte/foerderpolitik/"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
Studie
&lt;/a&gt; vor, die beschreibt, warum Bundesfördergelder digitale Projekte nicht nur nicht voranbringen, sondern manchmal aktiv blockieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ankündigen geht schnell. Liefern braucht Strategie, klare Zuständigkeiten und jemanden, der Verantwortung übernimmt, wenn die Schlagzeile schon wieder woanders ist.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="wer-am-lautesten-trommelt-wird-pilotland"&gt;Wer am lautesten trommelt, wird Pilotland&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Bundesdigitalminister Wildberger hatte im August angekündigt, bis Jahresende in „einigen Bundesländern&amp;quot; Pilotprojekte starten zu wollen. Die Länder hörten: Jetzt bewerben. Rheinland-Pfalz erklärte sich kurzerhand selbst zum „bundesweiten Pilotland für Verwaltungsdigitalisierung&amp;quot;. Das BMDS dementierte, halb: Rheinland-Pfalz komme „zu einem späteren Zeitpunkt&amp;quot;. Bayern trommelte lauter, bekam ebenfalls die Zusage. Ende der Woche stehen zwölf Pilotkommunen aus zwei unionsgeführten Ländern (Tagesspiegel Background, Paywall).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist kein Versehen und keine Panne. Es ist ein Symptom: Wo Auswahlkriterien unklar bleiben, entscheiden Lautstärke und politische Nähe. Wo Erfolg zunehmend an Presseresonanz, Followerzahlen und Kommentaren gemessen wird, bewerben sich alle per Pressemitteilung. Wer früh im Newsletter steht, zieht nach. Wer zu leise ist, kommt „zu einem späteren Zeitpunkt&amp;quot;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Weg heraus ist nicht kompliziert: Klare Auswahlkriterien vorab, öffentlich nachlesbar. Wer als Pilotland infrage kommt, nach welchen Kriterien, und wann entschieden wird. Dann kann sich kein Land durch Medienarbeit vordrängeln. Die Auswahl wird anfechtbar, was gut ist. Unklare Prozesse erzeugen nicht weniger politischen Druck, sondern mehr. Wenn man die Kriterien vor der Kommunikation veröffentlicht, löst sich das Chaos von selbst.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="was-open-source-wirklich-zum-laufen-bringt"&gt;Was Open Source wirklich zum Laufen bringt&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;September hatte zwei Open-Source-Meldungen, die zusammen mehr sagen als jede Grundsatzdebatte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das österreichische Bundesheer hat
&lt;a href="https://www.golem.de/news/von-microsoft-zu-open-source-bundesheer-schliesst-libreoffice-umstellung-ab-2509-200210.html"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
seine vollständige Migration von Microsoft Office auf LibreOffice abgeschlossen
&lt;/a&gt;. Fünf Jahre, kein Rollback, rund 70.000 Nutzer, vom Stabsoffizier bis zur Verwaltungsstelle.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gleichzeitig zeigt der
&lt;a href="https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Open-Source"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
Bitkom Open Source Monitor 2025
&lt;/a&gt;: 73 Prozent der deutschen Unternehmen nutzen Open Source, Höchststand. Aber 63 Prozent ohne Strategie. Größte Bremse: Fachkräftemangel. Dahinter: unklare Gewährleistungssituationen und Lizenzunsicherheiten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was macht den Unterschied beim Bundesheer? Strategie, ausreichend Geld und klare Ownership: Eine Stelle ist verantwortlich, nicht alle-und-keiner. Niemand kann sich hinter unklaren Zuständigkeiten verstecken. Wenn die Migration scheitert, scheitert sie mit Namen. Genau das fehlt in vielen deutschen Verwaltungsprojekten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;💡 73 Prozent Nutzung, 37 Prozent mit Strategie. Die Lücke ist nicht das Produkt. Sie ist die Entscheidung, wer die Verantwortung trägt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dass Bundesdigitalminister Wildberger Ende September die
&lt;a href="https://osb-alliance.de/pressemitteilungen/bundesdigitalminister-dr-wildberger-uebernimmt-schirmherrschaft-fuer-den-open-source-wettbewerb"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
Schirmherrschaft für den Open Source Wettbewerb 2025
&lt;/a&gt; der OSBA übernahm, ist ein Signal. Was auf das Signal folgen müsste: eine konkrete Antwort auf die Frage, wer nach der Preisverleihung die Ownership für die Gewinnerprojekte übernimmt, damit sie nicht im Schrank enden.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="hebelprojekte-statt-leuchttürme-wortschatz-oder-wende"&gt;Hebelprojekte statt Leuchttürme: Wortschatz oder Wende?&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Im August 2025 veröffentlichte die Agora Digitale Transformation das
&lt;a href="https://agoradigital.de/wp-content/uploads/2025/08/25-08-01_ADT_Policy-Paper_Bundesfoerderpolitik-und-Nachnutzung.pdf"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
Policy Paper „Strg+C&amp;quot;
&lt;/a&gt;. Der Befund: Bundesförderprogramme setzen systematisch Anreize für Neuentwicklungen, nicht für Nachnutzung. Das Ergebnis sind Dutzende Digitalprojekte, die in ihrer Pilotkommune funktionieren, aber nicht skalieren. Inseln statt Infrastruktur. Leuchtturm statt Landschaft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zeitgleich kursiert in Berlin der Entwurf von Wildbergers Modernisierungsagenda, die das Kabinett bei seiner Klausur am Tegeler See verabschieden soll. Das Wort „Leuchtturmprojekte&amp;quot; taucht darin nicht mehr auf. Stattdessen: „Hebelprojekte&amp;quot;. Das klingt besser.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die entscheidende Frage ist, ob sich nur das Wort ändert oder auch die Auswahllogik. Ein Hebelprojekt mit denselben Förderkriterien wie ein Leuchtturmprojekt landet am gleichen Ort. Was „Hebelprojekt&amp;quot; strukturell bedeuten müsste: EfA-Kompatibilität als Zulassungsbedingung, nicht als Bonus. Nachnutzungspflicht von Anfang an. Und einen Betreiber, der nicht aufhört, wenn die Förderung endet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dass
&lt;a href="https://agoradigital.de/wp-content/uploads/2025/09/ADT_Abschlussbericht_Indikatoren-Digitalisierung.pdf"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
messbare Erfolgsindikatoren für Digitalpolitik weitgehend fehlen
&lt;/a&gt;, hat Agora ebenfalls im September belegt. Ohne Messung, kein Hebel. Und ohne Hebel bleibt der Name das Einzige, was sich geändert hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das wäre kein Gesetzesproblem. Das wäre ein Reihenfolge-Problem.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="fazit"&gt;Fazit&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;September 2025 erzählte drei Geschichten mit derselben Diagnose. Pilotländer, die sich selbst ernennen, weil Auswahllogik fehlt. Open-Source-Projekte, die skalieren, wo Ownership klar ist. Förderprojekte, die versickern, weil niemand für Nachnutzung zuständig ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;An Ankündigungen mangelt es nicht. An Verantwortung schon.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Bundesheer hat nach fünf Jahren gezeigt: Es geht. Zwölf neue Pilotkommunen haben jetzt die Chance, dasselbe zu beweisen. Vorausgesetzt, jemand ist für den Erfolg zuständig, wenn die nächste Pressemitteilung schon wieder woanders ist.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="hat-sie-das-thema-interessiert"&gt;Hat Sie das Thema interessiert?&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Wenn Sie für Ihr Digitalisierungsvorhaben gerade vor der Frage stehen, wie Ownership und Strategie realistisch verankert werden, damit es nicht im Schrank endet:&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Regierung weg. Staatsvertrag da. – Dezember 2024 im E-Government-Rückblick.</title><link>https://dr-christian-knebel.de/posts/2024-12-monatsrueckblick/</link><pubDate>Tue, 31 Dec 2024 20:00:00 +0100</pubDate><guid>https://dr-christian-knebel.de/posts/2024-12-monatsrueckblick/</guid><description>&lt;p&gt;Am 16. Dezember verliert Olaf Scholz die Vertrauensfrage im Bundestag, planmäßig. Am 27. Dezember löst Bundespräsident Steinmeier den Bundestag auf, Neuwahlen für den 23. Februar sind angesetzt. Deutschland ist ohne reguläre Regierung. Vier Tage vor der Vertrauensfrage, am 12. Dezember, haben Bund und Länder den
&lt;a href="https://www.publicplan.de/blog/koalitionskrise-weichenstellungen-richtung-digitaler-zukunft--jahr-2024-im-e-government"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
Staatsvertrag zur Registermodernisierung
&lt;/a&gt; unterzeichnet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zwei Daten, ein Monat. Das zweite ist das wichtigere.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="was-der-staatsvertrag-bedeutet--und-warum-er-zu-lange-gedauert-hat"&gt;Was der Staatsvertrag bedeutet – und warum er zu lange gedauert hat&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Die Registermodernisierung ist das Rückgrat aller Once-Only-Versprechen. Bürger:innen sollen staatlichen Stellen ihre Daten nicht immer wieder neu mitteilen müssen. Das Kindergeld-Formular kennt das Geburtsdatum bereits. Das Finanzamt kennt die Bankverbindung. Der Sachbearbeiter fragt trotzdem.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Damit das aufhört, müssen Register untereinander sprechen. Dafür braucht man erstens einen gemeinsamen technischen Standard, das
&lt;a href="https://www.it-planungsrat.de/aktuelles/details/it-planungsrat-beschliesst-ersten-teil-der-foederalen-digitalstrategie-weichenstellung-fuer-eine-zukunftsfaehige-verwaltung"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
Nationale Once-Only Technical System (NOOTS)
&lt;/a&gt;. Und zweitens einen Rechtsrahmen, der regelt, wer welche Daten unter welchen Bedingungen teilt – im föderalen Gefüge von 16 Ländern und dem Bund. Genau dafür ist der Staatsvertrag.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Bundesverwaltungsamt und das Statistische Bundesamt haben im Laufe des Jahres die Registerlandkarte veröffentlicht: eine systematische Bestandsaufnahme der zahllosen Register, die Deutschland führt. Sie ist die Grundlage. Der Staatsvertrag ist der Rahmen, der die Umsetzung ermöglicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was jetzt fehlt: Tempo. Der Staatsvertrag schafft die Voraussetzung, er liefert keine Ergebnisse. Register sind heterogen, viele Jahrzehnte alt, oft in proprietären Fachverfahren vergraben. Der schwierigere Teil beginnt jetzt, und er beginnt in einer Phase politischer Unschärfe.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="was-die-ampelkoalition-hinterlässt--und-was-nicht"&gt;Was die Ampelkoalition hinterlässt – und was nicht&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Das Ampel-Aus ist für die Verwaltungsdigitalisierung keine Katastrophe, aber eine Verzögerung. Was im Koalitionsvertrag stand und nicht geliefert wurde, wird jetzt auf die nächste Regierung verschoben. Was geliefert wurde, bleibt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Liste der gelieferten Dinge ist länger, als die politische Stimmung Ende 2024 vermuten lässt. Das
&lt;a href="https://www.publicplan.de/blog/bahn-frei-mehr-digitale-verwaltung-ozg"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
OZG 2.0
&lt;/a&gt; hat im April 2024 den Bundesrat passiert, nach einem langen Ringen und einem offenen Brief mittelständischer IT-Unternehmer, der die politische Bedeutung des Gesetzes unterstrich. Es bringt einen künftigen Rechtsanspruch auf digitale Verwaltung, eine Frist für Bundeswirtschaftsleistungen und den Abbau weiterer Schriftformerfordernisse. Es ist kein Leuchtturm. Es ist ein Fundament.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das
&lt;a href="https://netzpolitik.org/2024/zentrum-fuer-digitale-souveraenitaet-knappe-ressourcen-fuer-open-source/"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
ZenDiS
&lt;/a&gt; hat 2024 operativ Fahrt aufgenommen. Nach der formalen Gründung 2022 hat das Zentrum für Digitale Souveränität ein Team aufgebaut und mit openDesk eine produktionsfähige Open-Source-Office-Suite für die Verwaltung an den Start gebracht. Version 1.0 wurde im Oktober auf der Smart Country Convention vorgestellt, als Cloud-Angebot für öffentliche Stellen. Das ist kein Konzeptpapier mehr.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was fehlt: Skalierung. openDesk läuft. Aber die meisten Behörden haben es noch nicht. Und mit einer geschäftsführenden Regierung wird es keine neuen politischen Impulse für die Rollout-Finanzierung geben.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="was-der-it-planungsrat-trotzdem-beschlossen-hat"&gt;Was der IT-Planungsrat trotzdem beschlossen hat&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Die
&lt;a href="https://www.it-planungsrat.de/aktuelles/details/it-planungsrat-beschliesst-ersten-teil-der-foederalen-digitalstrategie-weichenstellung-fuer-eine-zukunftsfaehige-verwaltung"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
45. Sitzung des IT-Planungsrats
&lt;/a&gt; im November 2024 hat den ersten Teil der Föderalen Digitalstrategie beschlossen. Das ist das strukturelle Gerüst, das die 16 Länder und den Bund auf eine gemeinsame Richtung für die nächsten Jahre verpflichten soll. Der IT-Planungsrat ist kein Bundesministerium und fällt nicht mit der Koalition.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist der strukturelle Vorteil des föderalen Systems, der im politischen Diskurs oft untergeht: Entscheidungen, die im kooperativen Gefüge zwischen Bund und Ländern getroffen werden, gelten unabhängig davon, welche Bundesregierung gerade im Amt ist. Der Staatsvertrag zur Registermodernisierung gilt. Die Föderale Digitalstrategie gilt. NOOTS läuft weiter.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was das für 2025 bedeutet: Die neue Bundesregierung muss keine Grundlagen legen, sie muss bauen. Ob sie es tut, mit welcher Priorität und welchem Budget, das wird sich mit dem Koalitionsvertrag entscheiden. Die Erfahrung mit dem OZG 1.0 zeigt, dass Rechtrahmen und Umsetzungswillen zwei verschiedene Dinge sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;💡 Dezember 2024 in einem Satz: Die Verwaltungsdigitalisierung liefert gerade dann Staatsverträge, wenn die Staatsführung pausiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Rückblick auf 2024 insgesamt ist gemischter, als die Schlagzeilen über das Ampel-Aus suggerieren. OZG 2.0 ist da. ZenDiS läuft. Der Registermodernisierungs-Staatsvertrag ist unterzeichnet. Und der IT-Planungsrat hat eine Föderale Digitalstrategie beschlossen, die keine Regierungskoalition braucht, um zu gelten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist keine schlechte Bilanz für ein Jahr, das mit einem Haushaltstreit begann und mit einer Vertrauensfrage endete.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="hat-sie-das-thema-interessiert"&gt;Hat Sie das Thema interessiert?&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Wenn Sie die Themen dieses Rückblicks beschäftigen und einen Gesprächspartner suchen, der ohne Verkaufsinteresse mitdenkt: Nutzen Sie gerne das Kontaktformular.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Koalition geplatzt. Digitalstrategie beschlossen. – November 2024 im E-Government-Rückblick.</title><link>https://dr-christian-knebel.de/posts/2024-11-monatsrueckblick/</link><pubDate>Sat, 30 Nov 2024 20:00:00 +0100</pubDate><guid>https://dr-christian-knebel.de/posts/2024-11-monatsrueckblick/</guid><description>&lt;p&gt;Am 6. November 2024 entlässt Bundeskanzler Olaf Scholz Finanzminister Christian Lindner. Die Ampelkoalition ist Geschichte. Sieben Tage später, am 13. November, tritt der IT-Planungsrat zu seiner 45. Sitzung zusammen und
&lt;a href="https://www.it-planungsrat.de/aktuelles/details/it-planungsrat-beschliesst-ersten-teil-der-foederalen-digitalstrategie-weichenstellung-fuer-eine-zukunftsfaehige-verwaltung"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
beschließt den ersten Teil der Föderalen Digitalstrategie
&lt;/a&gt;: eine gemeinsame strategische Ausrichtung für Bund und 16 Länder.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Koalition endet. Das föderale System arbeitet.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="was-mit-der-ampel-geht--und-was-bleibt"&gt;Was mit der Ampel geht – und was bleibt&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Die Netzpolitik-Bilanz der Ampel ist gemischt, und Mischung ist in diesem Fall eine freundliche Formulierung.
&lt;a href="https://www.zdf.de/nachrichten/politik/deutschland/digitalgipfel-frankfurt-digitalisierung-scholz-habeck-wissing-100.html"
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&gt;
Kritiker sprechen von einem „Sammelsurium gebrochener Versprechen&amp;quot;
&lt;/a&gt;. Das OZG 2.0 hat es nach langem Ringen durch den Bundesrat geschafft. Die Registermodernisierung hat erste Schritte gemacht. Das ZenDiS ist operativ. Das sind reale Lieferungen, keine Ankündigungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was geht: Der Koalitionsvertrag. Die Planungen für ein eigenständiges Digitalministerium, wie die FDP es angestrebt hatte, sind vorerst erledigt. Die Digital- und IT-Kompetenzen bleiben im Innenministerium gebündelt, unter einer geschäftsführenden Regierung ohne Gestaltungswillen. Neue politische Impulse für die nächsten Monate? Unwahrscheinlich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was bleibt: die Rechtsrahmen. OZG 2.0 gilt. Der künftige Rechtsanspruch auf digitale Verwaltung steht im Gesetz, nicht im Koalitionsvertrag. Das ist der Unterschied. Koalitionsverträge laufen mit der Regierung aus. Gesetze nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der strukturelle Fehler der letzten Jahre war kein Ampel-spezifisches Problem: Digitalisierungsfortschritt wurde zu stark ans Bundesprogramm geknüpft. Als das Geld knapp wurde, die Steuereinnahmen sanken und der Haushaltsstreit eskalierte,
&lt;a href="https://www.computerwoche.de/article/2826089/bundesregierung-spart-bei-der-digitalisierung.html"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
schrumpfte auch das Budget für Verwaltungsdigitalisierung
&lt;/a&gt;. Das ist ein Konstruktionsfehler, kein Versehen. Wer Digitalisierung ausschließlich als Bundesförderprogram begreift, macht sie abhängig von Haushaltsjahren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Alternative: robuste föderale Finanzierungsmodelle, die nicht mit jeder Koalitionsrunde neu verhandelt werden müssen.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="was-der-it-planungsrat-beschlossen-hat--und-was-das-bedeutet"&gt;Was der IT-Planungsrat beschlossen hat – und was das bedeutet&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Die
&lt;a href="https://www.it-planungsrat.de/aktuelles/details/it-planungsrat-beschliesst-ersten-teil-der-foederalen-digitalstrategie-weichenstellung-fuer-eine-zukunftsfaehige-verwaltung"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
Föderale Digitalstrategie des IT-Planungsrats
&lt;/a&gt; ist kein Koalitionsvertrag. Sie bindet alle 16 Länder und den Bund, unabhängig davon, welche Partei gerade in Berlin regiert. Das ist ihr struktureller Vorteil.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Beschluss vom 13. November ist der erste Teil: Zukunftsbild und Leitlinien. Der zweite Teil, konkrete Projektvorhaben, soll 2025 folgen. Das klingt nach bürokratischer Reihenfolge. Es ist eine. Aber sie ist die richtige.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein gemeinsames Zukunftsbild ist keine Selbstverständlichkeit im deutschen Föderalismus. 16 Länder, die unterschiedliche Fachverfahren betreiben, unterschiedliche Dienstleister beauftragen und unterschiedliche politische Prioritäten setzen, auf eine gemeinsame Richtung zu verpflichten, dauert. Dass es passiert, während die Bundeskoalition auseinanderfällt, ist keine Ironie. Es ist der Beweis, dass das föderale IT-Governance-System mehr Puffer hat, als die politische Kommentarspalte vermutet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was fehlt: operativer Druck. Eine Strategie, die nicht terminiert und nicht budgetiert ist, ist ein Dokument. Die erste Bewährungsprobe der Föderalen Digitalstrategie ist, ob sie 2025 in konkrete Projektbeschlüsse mündet, mit Zeitplan und Verantwortlichkeit, nicht in ein weiteres Rahmenwerk.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="opendesk-läuft--aber-wo"&gt;openDesk: läuft – aber wo?&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Einen Monat vor dem November-Rückblick, auf der
&lt;a href="https://www.computerwoche.de/article/2829869/hand-in-hand-in-richtung-digitale-souveraenitaet.html"
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&gt;
Smart Country Convention Mitte Oktober in Berlin
&lt;/a&gt;, hat ZenDiS openDesk 1.0 offiziell vorgestellt. Die Open-Source-Office-Suite ist als Cloud-Angebot für öffentliche Stellen verfügbar: Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, E-Mail, Kalender, Videokonferenz, Projektmanagement. Alles auf offener Software, alles ohne US-Hyperscaler.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;
&lt;a href="https://www.opendesk.eu/en/blog/sccon-digital-sovereignty-in-public-sector"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
Frühe Nutzer sind das BMI, der Deutsche Wetterdienst, das Technische Hilfswerk und das Robert-Koch-Institut
&lt;/a&gt;. Das sind keine kleinen Pilotkommunen. Das ist Bundesverwaltung mit Gewicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was jetzt gebraucht wird: Rollout-Tempo. Der Launch ist die Voraussetzung, nicht das Ergebnis. Tausende Behörden kennen openDesk nicht, haben keine Migrationsressourcen und warten auf den nächsten Haushalt, um Entscheidungen zu treffen. Die technische Bereitschaft ist da. Die Anreizstruktur für die Breite ist es noch nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das löst keine geschäftsführende Regierung. Das löst eine neue, die openDesk aktiv in Beschaffungsrichtlinien verankert, statt es als Angebot zu parken.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="hat-sie-das-thema-interessiert"&gt;Hat Sie das Thema interessiert?&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Wenn Sie die Themen dieses Rückblicks beschäftigen und einen Gesprächspartner suchen, der ohne Verkaufsinteresse mitdenkt: Nutzen Sie gerne das Kontaktformular.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Nach der EU-Abstimmung kommt der Trilog. Und dann? – Juli 2023 im E-Government-Rückblick.</title><link>https://dr-christian-knebel.de/posts/2023-07-monatsrueckblick/</link><pubDate>Mon, 31 Jul 2023 20:00:00 +0200</pubDate><guid>https://dr-christian-knebel.de/posts/2023-07-monatsrueckblick/</guid><description>&lt;p&gt;Mit 499 zu 28 Stimmen hat das Europäische Parlament im Juni seinen Verhandlungsstandpunkt zum AI Act beschlossen. Jetzt, im Juli, beginnen die Trilog-Gespräche zwischen Parlament, Rat und Kommission. Die Einigung ist nicht garantiert. Die Streitpunkte sind substanziell: biometrische Fernidentifizierung, Ausnahmen für Strafverfolgung, Reichweite der Hochrisiko-Kategorien.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Deutschland unterdessen: Das OZG-Änderungsgesetz liegt im Bundestag, nachdem das Kabinett es im Mai beschlossen hat. Die Registermodernisierung gewinnt langsam an Kontur.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="was-der-trilog-bedeutet--und-warum-er-für-verwaltungen-zählt"&gt;Was der Trilog bedeutet – und warum er für Verwaltungen zählt&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Trilog-Verhandlungen sind das legislative Kerngeschäft der EU: die drei zentralen Institutionen einigen sich auf einen Text, der für alle 27 Mitgliedstaaten gilt. Beim AI Act ist das besonders folgenreich, weil die Reichweite der Regulierung direkt davon abhängt, wie die Hochrisiko-Kategorien definiert werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was für öffentliche Verwaltungen entscheidend ist: Systeme, die Entscheidungen über Bürger:innen mitgestalten, also Bescheidautomatisierung, Priorisierungsalgorithmen in der Sozialverwaltung, automatisierte Dokumentenprüfung, fallen potenziell in die Hochrisiko-Kategorie. Was das genau heißt, hängt vom Trilog-Ergebnis ab.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wer jetzt KI-Systeme plant oder evaluiert, kauft unter Rechtsrahmenvorbehalt. Das ist kein Argument für Abwarten. Es ist ein Argument für modulare Beschaffung: Systeme, die die wahrscheinlichen Hochrisiko-Anforderungen schon heute erfüllen könnten, sind risikoarmer als solche, die auf künftige Ausnahmen hoffen.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="ozg-im-bundestag-was-der-kabinettsentwurf-bringt"&gt;OZG im Bundestag: Was der Kabinettsentwurf bringt&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Das
&lt;a href="https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/pressemitteilungen/DE/2023/05/ozg-kabinett.html"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
Bundeskabinett hat im Mai den OZG-Änderungsentwurf beschlossen
&lt;/a&gt;. Im Juli berät der Bundestag über ihn. Die Stoßrichtung ist klar: Ende-zu-Ende-Digitalisierung als Regel statt Ausnahme, digitale Signatur statt Schriftform, BundID als zentrale Identitätslösung, Once-Only als Grundprinzip.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was noch fehlt: die endgültige Antwort auf die Finanzierungsfrage. Der Entwurf regelt, wer digitalisiert, aber nicht überzeugend genug, wer bezahlt. Kommunen, die den Großteil der bürgernahen Leistungen erbringen, warten auf klare Finanzierungsaussagen. Ohne sie bleibt das OZG 2.0 ein Gesetz, das richtige Ziele setzt und falsche Anreize schafft.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Länder haben ihre Bedenken bereits formuliert. Was im Herbst im Bundesrat passiert, wird diese Baustelle wieder sichtbar machen.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="registermodernisierung-wohin-die-reise-geht"&gt;Registermodernisierung: Wohin die Reise geht&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Der IT-Planungsrat hat 2023 mehrere Beschlüsse zur Registermodernisierung gefasst und einen Finanzplan für 2023 bis 2025 verabschiedet. Das ist das methodische Gerüst. Die eigentliche Arbeit, also das Inventarisieren der Register, das Definieren von Schnittstellen, das Verhandeln mit Fachverfahrensanbietern, läuft auf Arbeitsebene.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was dabei unterschätzt wird: Die technische Komplexität der Registermodernisierung liegt nicht im System NOOTS selbst. Sie liegt in den tausenden Fachregistern, die NOOTS bedienen sollen. Jedes hat seine eigene Geschichte, seine eigene Datenstruktur, seinen eigenen Betreiber. Der Adapter, der ein Melderegister der 1990er-Jahre an eine moderne API anschließt, ist kein Standardprojekt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wer erwartet, dass die Registermodernisierung bis 2025 fertig ist, sollte die Zieldefinition prüfen. Wer erwartet, dass bis 2025 tragende Strukturen stehen und erste Verbindungen live sind, ist realistischer.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="hat-sie-das-thema-interessiert"&gt;Hat Sie das Thema interessiert?&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Wenn Sie in Ihrer Behörde AI-Beschaffungen vorbereiten oder die Registermodernisierung für Ihre Infrastruktur konkret planen wollen, ich begleite das ohne eigenes Produktinteresse. Das Formular unten genügt.&lt;/p&gt;</description></item></channel></rss>