<?xml version="1.0" encoding="utf-8" standalone="yes"?><rss version="2.0" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"><channel><title>Digitale-Teilhabe on Dr. Christian Knebel</title><link>https://dr-christian-knebel.de/tags/digitale-teilhabe/</link><description>Recent content in Digitale-Teilhabe on Dr. Christian Knebel</description><generator>Hugo -- gohugo.io</generator><language>de-de</language><lastBuildDate>Sun, 28 Feb 2021 20:00:00 +0100</lastBuildDate><atom:link href="https://dr-christian-knebel.de/tags/digitale-teilhabe/index.xml" rel="self" type="application/rss+xml"/><item><title>Impfportal unter Last. Was das über Verwaltungs-IT sagt. – Februar 2021 im E-Government-Rückblick.</title><link>https://dr-christian-knebel.de/posts/2021-02-monatsrueckblick/</link><pubDate>Sun, 28 Feb 2021 20:00:00 +0100</pubDate><guid>https://dr-christian-knebel.de/posts/2021-02-monatsrueckblick/</guid><description>&lt;p&gt;Die Impfkampagne ist angelaufen. Seit Ende Dezember 2020 werden die ersten Bürgerinnen und Bürger geimpft. Die Online-Portale für die Terminanmeldung, die in mehreren Bundesländern parallel gestartet sind, zeigen sofort, was passiert, wenn Verwaltungs-IT unter realen Lastbedingungen steht: Sie brechen ein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Warteschlangen von Stunden. Portale, die nach dem Start sofort nicht erreichbar sind. Ältere Menschen, die ohne Computerkenntnisse keinen Termin buchen können. Hotlines, die niemand erreicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist kein Technikunfall. Es ist ein Strukturproblem.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="warum-verwaltungs-it-unter-last-versagt"&gt;Warum Verwaltungs-IT unter Last versagt&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Öffentliche IT-Systeme werden fast nie für Spitzenlastszenarien ausgelegt. Der Grund ist nachvollziehbar: Kapazität, die im Normalbetrieb nicht genutzt wird, kostet Geld ohne sichtbaren Gegenwert. Im analogen Verwaltungsbetrieb ist das kein Problem. Eine Warteschlange im Bürgeramt ist unbequem, aber sie bricht nicht zusammen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im digitalen Betrieb ist es anders. Ein Portal, das für 10.000 gleichzeitige Nutzer:innen ausgelegt ist und am ersten Tag 500.000 bekommt, ist nicht einfach langsamer. Es ist nicht erreichbar. Das ist ein qualitativer Unterschied, der im Krisenfall Leben kosten kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was technisch hilft: Cloud-Infrastruktur mit automatischer Skalierung, die Kapazität genau dann bereitstellt, wenn Nachfrage entsteht, und danach wieder abbaut. Das ist keine neue Technologie. Es ist Standard in der privaten IT-Welt. In der öffentlichen Beschaffungslogik, die auf dreijährige Verträge für dedizierte Hardware optimiert ist, kommt es kaum vor.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Weg dahin ist nicht ein neues Beschaffungssystem, das ist unrealistisch für 2021. Der Weg dahin ist die Anforderung, dass neue Dienste cloudnativ ausgeführt werden können, mit klaren Anforderungen an Skalierbarkeit als Teil der Leistungsbeschreibung. Wer das nicht in die Ausschreibung schreibt, bekommt es nicht.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="was-die-föderale-impfportal-landschaft-zeigt"&gt;Was die föderale Impfportal-Landschaft zeigt&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Jedes Bundesland hat seine eigene Lösung für die Impfterminbuchung entwickelt oder beschafft. Das Ergebnis ist eine Flickenlandschaft: 16 Portale mit 16 Benutzeroberflächen, 16 Sicherheitskonzepten, 16 Supportstrukturen. Kein bundeseinheitlicher Standard.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist kein Föderalismusproblem. Es ist ein Timing-Problem. Keine Behörde hatte vor der Pandemie ein Impfanmeldesystem in der Schublade. Als es gebraucht wurde, entwickelten alle gleichzeitig, ohne Zeit für Koordination.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was das für OZG zeigt: EfA (Einer für Alle) ist der richtige Mechanismus für genau diese Situationen. Ein bundesweit nutzbares Anmeldemodul, das einmal entwickelt und in allen Ländern eingesetzt wird. Für die Impfanmeldung war es zu spät. Für den nächsten Krisenfall ist es nicht zu spät.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Weg dahin: Basiskomponenten für Standardfälle des Verwaltungsbetriebs jetzt entwickeln. Terminsysteme. Antragsformulare. Notifikationssysteme. Diese Komponenten sind in der Krise nicht in Wochen zu bauen. Sie müssen vorher existieren.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="was-ältere-menschen-zeigt-was-fehlt"&gt;Was ältere Menschen zeigt, was fehlt&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Die Impfanmeldung ist einer der wenigen Momente, in denen ältere Menschen aktiv eine digitale Verwaltungsleistung nutzen müssen. Das Ergebnis ist ernüchternd: Wer kein Smartphone hat, wer keinen E-Mail-Account kennt, wer nicht weiß, was ein Browser ist, bleibt ohne Termin.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist keine individuelle Schwäche. Es ist ein Designfehler. Verwaltungsleistungen, die nur digital verfügbar sind, ohne barrierefreie Alternative, schließen eine erhebliche Bevölkerungsgruppe systematisch aus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was helfen würde: Digitale Dienste nie ohne analogen Alternativweg einführen. Nicht weil der analoge Weg besser ist. Sondern weil digitale Inklusion Zeit braucht, die die Impfkampagne nicht hat.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="hat-sie-das-thema-interessiert"&gt;Hat Sie das Thema interessiert?&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Wenn Sie gerade Verwaltungsportale oder digitale Bürgerdienste verantworten und wissen wollen, wie das mit OZG und Krisenfestigkeit zusammenhängt: Das Kontaktformular unten führt direkt zu mir.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Contact Tracing, Open Source und die Frage der Digitalsouveränität. – Mai 2020 im E-Government-Rückblick.</title><link>https://dr-christian-knebel.de/posts/2020-05-monatsrueckblick/</link><pubDate>Sun, 31 May 2020 20:00:00 +0200</pubDate><guid>https://dr-christian-knebel.de/posts/2020-05-monatsrueckblick/</guid><description>&lt;p&gt;Die Diskussion um eine deutsche Corona-Tracing-App ist im Mai 2020 auf ihrem Höhepunkt. Was wird entwickelt? Zentralisiert oder dezentralisiert? Open Source oder proprietär? Welche Daten fließen wohin? Was das Bundesgesundheitsministerium und das
&lt;a href="https://www.bsi.bund.de/"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
BSI
&lt;/a&gt; am Ende entscheiden werden, ist noch nicht final. Aber die Debatte selbst ist lehrreich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Denn selten wurde in Deutschland so öffentlich über digitale Souveränität als praktische Frage diskutiert wie in diesem Mai.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="der-datenschutz-grundsatzstreit-als-vertrauensfrage"&gt;Der Datenschutz-Grundsatzstreit als Vertrauensfrage&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Die große Streitlinie bei Contact-Tracing-Apps ist zentralisiert vs. dezentralisiert. Zentralisiert bedeutet: Begegnungsdaten laufen auf einem Server zusammen, der die Risikobewertung vornimmt. Dezentralisiert bedeutet: Die Begegnungsdaten bleiben auf dem Endgerät, nur anonymisierte Schlüssel werden geteilt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was Datenschützer, CCC und Teile der Wissenschaft sagen: Zentralisierte Systeme schaffen Potenziale für Missbrauch und Aggregation, die bei dezentralisierten Systemen strukturell nicht möglich sind. Das ist kein Misstrauen gegen die aktuelle Regierung. Es ist eine Infrastrukturentscheidung für Jahrzehnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was die Entscheidung für Dezentralisierung zeigt: Datenschutz by Design ist nicht nur Compliance, sondern Vertrauensarchitektur. Bürger:innen nutzen Apps, denen sie vertrauen. Apps, die Vertrauen strukturell einbauen, haben höhere Nutzungsraten. Das ist ein pragmatisches Argument, kein ideologisches.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="open-source-als-transparenzinstrument"&gt;Open Source als Transparenzinstrument&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Was im Mai durchsickert: Die
&lt;a href="https://www.coronawarn.app/de/"
target="_blank" rel="noopener noreferrer"
&gt;
Corona-Warn-App
&lt;/a&gt; soll Open Source veröffentlicht werden. Der Quellcode auf GitHub. Das ist in der deutschen Behörden-IT eine Seltenheit. Üblicherweise ist der Code von öffentlich finanzierter Software proprietär und beim Auftragnehmer.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was Open Source hier leistet: Transparenz für die Öffentlichkeit, unabhängige Sicherheitsprüfung, Nachnutzbarkeit für andere Länder. Das sind drei Argumente, die nichts miteinander zu tun haben, aber alle für dieselbe Entscheidung sprechen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was das für OZG bedeutet: Wenn der politische Wille für Open-Source-Veröffentlichung bei einer App entsteht, die jeden Monat Millionen nutzen werden, ist die Frage berechtigt, warum das nicht Standard für alle öffentlich finanzierten Softwareentwicklungen ist. „Public Money, Public Code&amp;quot; ist keine radikale Forderung. Es ist die logische Konsequenz aus dem, was gerade für die Corona-Warn-App entschieden wird.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="was-die-krise-für-die-ozg-priorisierung-gelernt-hat"&gt;Was die Krise für die OZG-Priorisierung gelernt hat&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Im Mai beginnt die Politik, aus dem Krisenmodus in den Erholungsmodus zu wechseln. Was das für OZG bedeutet: Die unfreiwillige Priorisierung durch die Krise, also krisenrelevante Dienste zuerst, könnte als Prinzip beibehalten werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Welche Verwaltungsleistungen sind bei gesellschaftlichen Ausnahmesituationen besonders kritisch? Diese sollten in der Nachpriorisierung nach vorne rücken. Nicht weil andere unwichtig sind, sondern weil Resilienz ein eigenständiger Wert ist.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="hat-sie-das-thema-interessiert"&gt;Hat Sie das Thema interessiert?&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Wenn Sie die Open-Source-Debatte für Ihre eigene Softwarestrategie einordnen wollen oder OZG-Prioritäten unter Krisenperspektive neu denken: Das Formular unten verbindet uns.&lt;/p&gt;</description></item><item><title>Lockdown. Verwaltung unter digitalem Ausnahmezustand. – März 2020 im E-Government-Rückblick.</title><link>https://dr-christian-knebel.de/posts/2020-03-monatsrueckblick/</link><pubDate>Tue, 31 Mar 2020 20:00:00 +0200</pubDate><guid>https://dr-christian-knebel.de/posts/2020-03-monatsrueckblick/</guid><description>&lt;p&gt;Mitte März 2020 tritt Deutschland in den ersten Lockdown. Schulen, Geschäfte, Behördenpublikumsverkehr: geschlossen oder eingeschränkt. Was das für die öffentliche Verwaltung bedeutet, ist ab sofort kein theoretisches Szenario mehr: Leistungen, die analog gedacht waren, müssen jetzt digital funktionieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Stresstest ist da. Die Verwaltungs-IT ist nicht für ihn gebaut.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="was-sofort-sichtbar-wird"&gt;Was sofort sichtbar wird&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Kurzarbeiteranträge: tausende Unternehmen stellen gleichzeitig Anträge bei Arbeitsagenturen. Die digitalen Wege sind überlastet oder nicht vorhanden. Viele Anträge gehen per Fax. Das Faxgerät der Bundesagentur für Arbeit wird in diesen Tagen zum Symbol: Nicht weil es schlecht ist, sondern weil es das einzige ist, das noch funktioniert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bürgerämter schließen. Abmeldungen, Ummeldungen, Ausweisanträge: alles analog, alles blockiert. Viele OZG-Dienste, die für eben diese Leistungen entwickelt werden, sind noch nicht fertig. Die Deadline ist Dezember 2022. Die Krise ist jetzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bundesbehörden wechseln auf Homeoffice. Was das technisch voraussetzt: VPN-Kapazitäten, die für diese Last nicht ausgelegt sind. Videokonfernz-Infrastruktur, die unter dem Gleichzeitigkeitsdruck einbricht. DOMEA, E-Akte, digitale Aktenführung: im Homeoffice nicht nutzbar, weil nur im Behördennetz verfügbar.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="was-das-für-ozg-bedeutet"&gt;Was das für OZG bedeutet&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Die Krise beschleunigt keine OZG-Entwicklung. Sie macht die Lücken sichtbar, die in der normalen Priorisierung unsichtbar waren. Welche Leistungen sind krisenrelevant? Kurzarbeit, Wohnhilfen, Sozialtransfers. Genau diese sind entweder noch nicht digital oder in einer Qualität, die Krisenvolumina nicht trägt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was konstruktiv folgt: Die Priorisierungsliste für OZG muss um eine Krisendimension ergänzt werden. Welche Verwaltungsleistungen haben sowohl hohe Nutzungsfrequenz als auch hohe Krisenrelevanz? Diese brauchen Skalierbarkeit als explizites Anforderungsmerkmal, nicht nur Funktionalität.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Skalierbarkeit bedeutet in der Praxis: Cloud-native Architektur, horizontale Skalierung, keine dedizierte Hardware. Was OZG-Dienste heute an Infrastrukturanforderungen beschreiben, ist oft für Normalbetrieb dimensioniert. Krisenbetrieb ist anderer Maßstab.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="was-homeoffice-in-behörden-zeigt"&gt;Was Homeoffice in Behörden zeigt&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Die meisten Bundesbehörden sind technisch nicht für flächendeckendes Homeoffice ausgestattet. Das ist kein Betriebsunfall, sondern die Konsequenz einer Jahrzehnte langen Entscheidung, IT als Präsenz-Infrastruktur zu bauen. VPN-Kapazitäten für zehn Prozent der Belegschaft. Aktenführung im Behördennetz. Unterschriften nur physisch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was jetzt in wenigen Wochen improvisiert wird, muss danach in Struktur überführt werden: Mobile-first-Prinzip für Verwaltungs-IT, E-Akte als Pflicht statt Option, VPN-Skalierung als Infrastrukturstandard. Diese Entscheidungen, jetzt getroffen, verhindern, dass derselbe Engpass beim nächsten Krisenfall reproduziert wird.&lt;/p&gt;
&lt;h2 id="hat-sie-das-thema-interessiert"&gt;Hat Sie das Thema interessiert?&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Wenn Sie gerade akute Digitalisierungsanforderungen in Ihrer Behörde haben und nicht wissen, wo Sie anfangen sollen: Das Kontaktformular unten führt direkt zu mir.&lt;/p&gt;</description></item></channel></rss>